Mittwoch, 20. Juni 2007

Pschyrembel für Naturheilkunde

Mehr als 4000 Einträge zu Naturheilkunde und alternativen Verfahren und ein neuer Titel: So präsentiert sich die dritte und komplett überarbeitete Auflage des Nachschlagewerks "Pschyrembel® Naturheilkunde und alternative Heilverfahren".
Dieses wichtige Mitglied der Pschyrembel-Familie bietet sowohl eigenständig als auch in Ergänzung zum klassischen Wörterbuch eine verläßliche Orientierung in der Komplementärmedizin. Erläutert werden Begriffe wie das Arndt-Schulz-Gesetz (biologisches Grundgesetz für die Heilung, besonders durch Reize), Friktion (spezieller Massagegriff) oder Vitalfeldtherapie. Die komprimierte Darstellung im Stil des klassischen Wörterbuchs erleichtert das schnelle Nachschlagen. (gwa)

Pschyrembel Naturheilkunde und alternative Heilverfahren; de Gruyter Verlag, 3. überarb. Aufl. 2006, 423 Seiten, 204 Abb., gebunden. 29,95 Euro. ISBN 978-3-11-018524-9

Belladonna, Tollkirsche

Die Tollkirsche (Atropa belladonna) gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Im Altertum wurde Belladonna von Frauen genutzt, um die Pupillen zu erweitern und so den Männern zu gefallen - deshalb der lateinische Name, der soviel wie "schöne Frau" bedeutet. Die Tollkirsche ist in Europa und Kleinasien beheimatet und aufgrund ihrer in allen Pflanzenteilen vorkommenden Alkaloiden sehr giftig. Bereits geringe Mengen können tödlich sein.
Leitsymptome:
Akute, plötzlich auftretende und schmerzhafte Erkrankungen
Erkrankungen mit hohem Fieber, rotem Gesicht, heißem und verschwitztem Kopf, aber kalten Extremitäten; kein Durst während des Fiebers; der Puls ist schnell, hart und klopfend
Entzündungen mit Hitze, Röte und brennenden oder klopfenden Schmerzen
oft vergrößerte Pupillen
Empfindlichkeit gegen Erschütterung, Lärm und grelles Licht
trockener Mund, aber Abneigung gegen Wasser
Symptome großer Intensität und Heftigkeit, die plötzlich kommen und gehen; sie verschlechtern sich nachmittags und abends, durch Berührung, Erschütterung und Lärm sowie beim Hinlegen; die Beschwerden verbessern sich in Ruhe, im aufgerichteten Sitzen und beim Rückwärtsbeugen.
Bewährt bei:
Belladonna ist bewährt bei akuten Entzündungen, Kopf- und kolikartigen Schmerzen, vor allem wenn sie plötzlich kommen und gehen oder rechtsseitig auftreten.
Zu den vielen klinischen Indikationen gehören Arthritis, Fieber, Fieberkrampf, Gastritis, Kopfschmerzen und Neuralgien.
Belladonna wird oft als Folgemittel nach Aconitum gegeben, wenn es zum Beispiel bei Fieber zum Schweißausbruch gekommen ist und Aconitum nicht mehr hilft.

Die Tollkirsche hat kirschgroße, schwarze Beeren auf sternenförmig angeordneten Kelchblättern.

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Belladonna, Apis, Silicea bei Gelenkbeschwerden

Aus Angst vor unerwünschten Effekten klassischer Medikamente nehmen Patienten mit schmerzenden Gelenken gerne Homöopathika

Kollegen, die Homöopathie anwenden, möchten sie meist nicht mehr missen, auch wenn der Wirkmechanismus nach streng wissenschaftlichen Kriterien nicht faßbar ist. Und viele Patienten lieben die Homöopathie als wirksame Medizin ohne unerwünschte Effekte.
Vor solchen Effekten fürchten sich bekanntlich viele Patienten. Auswertungen der Herner Arthrose-Studie etwa, in der die über 40jährigen Einwohner der Stadt befragt wurden, haben ergeben, daß 60 Prozent Angst vor unerwünschten Arzneiwirkungen haben. Gerade solche Patienten nehmen gerne homöopathische Therapien an oder fragen auch gezielt danach.
Homöopathie - das heißt nicht unbedingt klassische Homöopathie. Viele Kollegen schwören auf Einzelpräparate und kombinieren diese je nach Patient und Beschwerdebild auch. Die Zahl der empfohlenen Mittel bei Gelenkbeschwerden ist groß. Hier nur eine kleine Auswahl, was Kollegen im GU-Kompaß "Homöopathie" empfehlen.
Bei hochroter heißer Entzündung mit pochenden, klopfenden Schmerzen, wenn das Gelenk stark druck-, berührungs- und erschütterungsempfindlich ist und sich die Beschwerden durch warme Auflagen verbessern, eignet sich Belladonna D12 (jede Stunde bis alle vier Stunden).
Ist das Gelenk dagegen blaßrot und stark geschwollen, sind die Schmerzen eher stechend und bessern sich die Beschwerden durch kühle Umschläge, ist Apis D12 angezeigt (jede Stunde bis alle drei Stunden).
Bei einer Gelenkentzündung mit starken stechenden Schmerzen, wenn die kleinste Bewegung schmerzhaft ist, der Patient ärgerlich und gereizt ist und sich die Beschwerden durch kalte Auflagen bessern, wird Bryonia D12 (jede Stunde bis alle sechs Stunden) empfohlen.
Allgemein bei Arthrose bewährt haben sich die Mittel Calcium fluoraticum D6 und Silicea D12, zwei- bis dreimal täglich.
Schmerzt das Gelenk nach Überanstrengung, Zerrung oder Verletzung, ist das erste Mittel Arnica D12, alle zwei bis sechs Stunden.
Andere Kollegen greifen gerne auf Komplexpräparate zurück, in denen mehrere Homöopathika passend zu definierten Beschwerden kombiniert sind.
Ein Beispiel ist Bryorheum®. Das Komplexmittel ist geeignet bei degenerativen Gelenk- und Wirbelsäulenbeschwerden, etwa Knie- und Hüft-Arthrosen, sowie bei Gelenkentzündungen.
Rhus Rheuma Gel N ist etwa bei rheumatoiden Schmerzen an kleinen und großen Gelenken eine Option.
Denisia® Nr. 8 kann bei verschiedenartigen rheumatischen Schmerzen des Stütz- und Bewegungsapparates angewandt werden, besonders wenn arthrotische Gelenke zu Beginn einer Bewegung schmerzen.
Bei entzündlichen oder verschleißbedingten Gelenkerkrankungen mit ziehenden Schmerzen, Steifheit und Taubheitsgefühl ist etwa Rhus toxicodendron Pentarkan® eine Option.

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Ignatia, Ignatiusbohne oder St.-Ignaz-Bohne

Die Schlingpflanze aus der Familie der Brechnuß-Gewächse ist auf den Philippinen heimisch. Die Ignatiusbohne ist psychoaktiv und giftig.
Leitsymptome:
Kopfschmerzen, wie wenn ein Nagel durch den Kopf getrieben würde oder als ob der Schädel platzen würde
Kummer durch unglückliche Liebe oder stiller Kummer durch den Verlust eines geliebten Menschen, auch Heimweh
sehr wechselhafte Stimmungen
Neigung zu Lach- und Weinkrämpfen (durch Erregung)
Kloßgefühl im Hals oder Beklemmung in der Brust; die Beschwerden bessern sich durch Essen
Krämpfe in Armen oder Beinen
häufiges saures Aufstoßen oder saurer Mundgeschmack
körperliche und psychische Symptome wechseln sich ab und sind oft sehr widersprüchlich
Schlaflosigkeit mit viel Gähnen, vor allem durch Kummer und Sorgen
Bewährt bei:
Ignatia paßt zu sensiblen, intelligenten, romantischen und zur Hysterie neigenden Menschen. Ignatia ist ein wichtiges Mittel bei Kummer und ein bewährtes Frauenmittel. Zu den klinischen Indikationen gehören Kopfschmerzen, Migräne sowie psychovegetative Erschöpfung.
Die Bohnen sind die sehr harten Samen aus den großen Orangen-ähnlichen Früchten der Pflanze.
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Homöopathisches Heilen in der Praxis

Homöopathie ist für Georgos Vithoulkas die Methode, um Menschen ihr psychosomatisches Gleichgewicht wiederzugeben, sie also zu heilen. Vithoulkas hat sich jahrzehntelang mit klassischer Homöopathie nicht nur beschäftigt, sondern er lebt sie, wie er im Vorwort zu seinem Lehrbuch "Die Praxis homöopathischen Heilens" erklärt.
Vithoulkas beschreibt zunächst die Grundlagen der klassischen Homöopathie. Darauf aufbauend erläutert er Fallanalyse, Verordnungen, die richtige Wahl des geeigneten Mittels und der Potenz, Langzeitstrategien und komplizierte Fälle wie Therapien bei jugendlichen Diabetikern. Die vielen eingestreuten Beispiele und Kasuistiken lockern das Werk auf. Medizinisches Wissen wird vorausgesetzt.
Vithoulkas, der 1996 den alternativen Nobelpreis erhielt, ist ein kompromißloser klassischer Homöopath. Auch wer ihm auf diesem Weg nicht in aller Konsequenz folgen will oder kann, bekommt doch wichtige Einsichten in das Weltbild und die Menschensicht klassischer Homöopathie.

Literaturhinweis Georgos Vithoulkas: Die Praxis homöopathischen Heilens. Urban & Fischer, 6. Aufl., 2005. 352 Seiten, 35 farb. Abb., gebunden, 49,95 Euro. ISBN 3-437-57180-X

Ignatia, Cyclamen, Iris helfen bei Kopfschmerzen

Jeder vierte Patient mit Kopfschmerzen oder Migräne nimmt auch Homöopathika / Zweite Folge der Serie zur Homöopathie

82 Prozent der Patienten mit chronischen Kopfschmerzen verwenden zusätzlich zu Schmerzmedikamenten auch komplementärmedizinische Therapien. Dabei steht vor allem die Homöopathie hoch im Kurs: 23 Prozent der Patienten nehmen Homöopathika.
Das habe eine Befragung von über 400 Patienten in Spezialambulanzen für Kopfschmerz-Kranke in fünf deutschen und zwei österreichischen Großstädten ergeben, berichtete Dr. Charly Gaul von der Universität Halle-Wittenberg kürzlich auf dem Neurologen-Kongreß in Mannheim. Die Patienten hatten überwiegend Migräne und Cluster-Kopfschmerzen.
Bei Kopfschmerzen und Migräne können homöopathische Mittel auch gut helfen. Dabei muß man nicht unbedingt der klassischen Homöopathie folgen. Man kann auch ganz pragmatisch vorgehen und sich an den Symptomen orientieren. Die Zahl der empfohlenen Mittel ist sehr groß. Hier nur eine kleine Auswahl, was Kollegen im GU-Kompaß "Homöopathie" empfehlen.
Bei Kopfschmerzen durch geistige Anstrengung, wenn die Patienten teilnahmslos, apathisch und unkonzentriert sind, eignet sich Acidum phosphoricum in der Potenz D6, alle vier bis sechs Stunden.
Treten heftige Kopfschmerzen plötzlich auf, sind sie klopfend, berstend und vor allem rechts über dem Auge lokalisiert, wird Belladonna D12 empfohlen (alle 30 Minuten bis vier Stunden).
Bei berstenden Kopfschmerzen, die von der Stirn zum Nacken ziehen, bei Schmerzen an den Schläfen und hinter den Augen, wenn die Patienten reizbar sind und ihre Ruhe haben wollen, weil kleinste Bewegungen die Schmerzen verschlimmern, dann hilft Bryonia D12 (jede Stunde bis alle vier Stunden).
Bei Schulkopfschmerzen und Kopfschmerzen durch Wetterwechsel, die sich bei Bewegung und Bücken verschlechtern, ist Calcium phosphoricum D6, dreimal täglich, geeignet.
Bei Schmerzen, die mit Nackenverspannungen und druckempfindlicher Halswirbelsäule einhergehen, wird Cimicifuga D12, dreimal täglich, empfohlen. Das Mittel ist bewährt, wenn Patienten das Gefühl haben, als ob die Schädeldecke wegfliege, bei hormonellen Störungen, Migräne und Nackenschmerzen.
Schmerzen im Hinterkopf mit schwachen Nackenmuskeln, oft als Folge von Übernächtigung, Kummer, Sorgen, Jetlag oder auch übermäßigem Fernsehen, können mit Cocculus D6, dreimal täglich, bekämpft werden.
Bei Sehstörungen vor und während der Migräne hat sich Cyclamen D12 (alle 30 Minuten bis vier Stunden) bewährt.
Patienten, die das Gefühl haben, ein Nagel würde ins Hirn getrieben, die Schmerzen im Bereich von Auge, Nase und Stirn haben, die langsam beginnen und plötzlich enden, kann mit Ignatia D12, ein- bis dreimal täglich, geholfen werden. Bei ihnen sind die Schmerzen Folge von Kummer, Trauer oder anderen starken Gefühlsschwankungen. Sie werden durch Sonne, Nikotin und Alkohol schlimmer und durch Essen und Wärme besser.
Bei Wochenendmigräne hat sich Iris D6 (alle 30 Minuten bis vier Stunden) bewährt.

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Samuel Hahnemann und das Simile-Prinzip

Samuel Hahnemann (1755 bis 1843) ist der Begründer der Homöopathie. Durch Selbstversuche an sich und seinen Kindern kam er dem Simile-Prinzip auf die Spur: Die Symptome, die ein Arzneimittel bei Gesunden auslöst, sind auch die Symptome, gegen die es bei Kranken hilft.
Die Ergebnisse veröffentlichte er 1796 im "Journal der practischen Arzneykunde". Dieses Datum gilt als die Geburtsstunde der Homöopathie. 1810 erschien Hahnemanns Hauptwerk, das "Organon der rationellen Heilkunde", das heute noch als "Bibel der Homöopathie" gilt.