Nicht erst seit der Diskussion um Nutzen und Risiken von Hormonersatz-Therapien in den Wechseljahren fragen Frauen, die in der Menopause Beschwerden haben, nach Alternativen. Eine Möglichkeit ist die Homöopathie. Oft passen bei betroffenen Frauen große homöopathische Mittel wie Pulsatilla oder Sepia. Doch eben nicht bei jeder.
Kollegen mit einer Ausbildung in klassischer Homöopathie schätzen an der Methode, dass nicht einfach ein Symptom kuriert wird. Vielmehr suchen sie nach der zugrunde liegenden Störung, die aus den individuellen körperlichen und psychischen Gegebenheiten entsteht und umgekehrt den ganzen Körper und die Psyche beeinflusst. Dabei sind alle Symptome und Beschwerden und ihr Charakter wichtig und werden genau erfragt. Das Symptom Hitzewallung allein reicht nicht, um ein passendes Mittel zu finden.
"Homöopathen denken eben ganz anders", sagt Dr. Beate Vollmer aus München. Die Gynäkologin ist in München niedergelassen und bietet die modernen Untersuchungen etwa zur Krebs-Früherkennung an. Bei der Therapie setzt sie seit 1993 auf die klassische Homöopathie. Schulmedizin kommt für sie infrage, wenn sie mit der Homöopathie nicht weiter kommt. Das ist selten, sagt sie. "Die Frauen mit Hormonersatz-Therapie in meiner Praxis kann ich an einer Hand abzählen."
Gefragt wird gezielt nach dem Charakter eines Symptoms
Anderen Frauen etwa mit Wechseljahrsbeschwerden kann sie mit Homöopathie helfen. Kommt zum Beispiel eine Patientin mit Hitzewallungen, lässt sich Vollmer diese genau beschreiben: Gibt es eine bevorzugte Tageszeit? Wie laufen die Hitzewallungen ab; von wo gehen sie aus, etwa vom Bauch bis in den Kopf; oder bleiben sie nur im Gesicht? Sind die Hitzewallung mit Schwitzen verbunden oder trocken? Also nur heiß, oder tropft auch der Schweiß? Ist der Schweiß kalt oder warm? Wird das Gesicht bei den Hitzewallungen rot?
Dann fragt Vollmer auch nach anderen Beschwerden: Ist die Frau bei den Hitzewallungen genervt? Weinerlich? Kommt es zu Herzklopfen? Herzrasen? Zittern? Gibt es ein Gefühl des Getriebenseins?
Durch diese gezielten und umfassenden Fragen wird das Symptom Hitzewallung genau und individuell erfasst - und das gilt in der klassischen Homöopathie grundsätzlich für alle Symptome und Beschwerden. Weiter wird gefragt, ob es noch andere Beschwerden gibt, die die Patientin mit den Wechseljahren in Verbindung bringt. Erfragt wird die Art der letzten Blutung; die Qualität des Schlafs, nach Veränderungen in der Brust. Aus all diesen Symptomen ergibt sich dann das für diese Frau passende Homöopathikum.
Schildert etwa eine Patientin starke Hitzewallungen vor allem tagsüber, besonders auch bei Kontakt mit Menschen, sind Bett- und Nachwäsche oft durchgeschwitzt, ist die Frau weinerlich, neigt zu Tränenausbrüchen, könnte etwa Pulsatilla passen.
Sepia gilt als großes Homöopathikum; doch nicht allein nur für Frauen in den Wechseljahren. Das Präparat kann geeignet sein bei einer Frau, die sich zwischen Beruf, Ehemann, Kindern, Haushalt zerreißt; dunkle Ringe unter den Augen hat.
Eher an Kalium carbonicum denkt man bei einer Frau in den Wechseljahren, die nachts mit Hitzewallungen und Herzklopfen aufwacht, sich Sorgen macht, ob sie herzkrank ist.
Acidum sulfuricum ist eine Arznei, die geeignet sein kann für eine Frau, mit Zitterigkeit, die auch schwitzt, die vor allem darunter leidet, dass sie sich gehetzt und getrieben fühlt; der ist alles zuviel, die weiß nicht, wo sie zuerst anfangen soll, und nie fertig wird.
Sulfur kann geeignet sein, wenn Frauen bei Hitzewallungen in ihrem Schweiß schwimmen, eine unreine Haut und womöglich eine Hautkrankheit haben.
Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung
Freitag, 22. Juni 2007
Pulsatilla, Küchen- oder Kuhschelle
Die Küchenschelle (Pulsatilla pratensis) gehört zu den Hahnenfuß-Gewächsen (Ranunculaceae). Die ausdauernde Pflanze enthält Ranunculin, das beim Trocknen in Protonanemonin übergeht. Der Stoff reizt vor allem in hoher Dosierung bei Kontakt Haut und Schleimhaut. Bei innerer Anwendung können Nieren und ableitende Harnwege gereizt werden. Bekannt sind auch teratogene und abortive Wirkungen.
Leitsymptome:
Pulsatilla gehört zu den homöopathischen Mitteln, die für viele und vor allem für wechselnde Symptome infrage kommen. Typisch: Die Symptome treten auf und gehen wieder, und sie ändern den Charakter. Pulsatilla gilt vor allem auch als Frauenmittel.
Zaghaftes weinerliches Gemüt, unbeständige Stimmungen
Beschwerden bei der Menstruation, bei Schwangerschaften, in der Menopause
Schleimhautprobleme in den Atemwegen, im Magen-Darm- sowie im Urogenitaltrakt
Bewährt bei:
Schüchternheit, Reizbarkeit, rasch wechselnden Stimmungen, Angst vor dem Alleinsein, Furcht in der Dunkelheit. Das Mittel eignet sich auch bei Stockschnupfen, Mundgeruch, Schleimauswurf morgens, Aufstoßen, Gastritis, Blähungen, Brechdurchfall, unwillkürlichem Urinabgang etwa beim Husten, Bauchkrämpfen bei der Monatsblutung und Hitzewallungen.
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Leitsymptome:
Pulsatilla gehört zu den homöopathischen Mitteln, die für viele und vor allem für wechselnde Symptome infrage kommen. Typisch: Die Symptome treten auf und gehen wieder, und sie ändern den Charakter. Pulsatilla gilt vor allem auch als Frauenmittel.
Zaghaftes weinerliches Gemüt, unbeständige Stimmungen
Beschwerden bei der Menstruation, bei Schwangerschaften, in der Menopause
Schleimhautprobleme in den Atemwegen, im Magen-Darm- sowie im Urogenitaltrakt
Bewährt bei:
Schüchternheit, Reizbarkeit, rasch wechselnden Stimmungen, Angst vor dem Alleinsein, Furcht in der Dunkelheit. Das Mittel eignet sich auch bei Stockschnupfen, Mundgeruch, Schleimauswurf morgens, Aufstoßen, Gastritis, Blähungen, Brechdurchfall, unwillkürlichem Urinabgang etwa beim Husten, Bauchkrämpfen bei der Monatsblutung und Hitzewallungen.
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Homöopathie: 90 Krankenkassen zahlen
Homöopathisch tätige Ärzte können die Behandlung von Kassenpatienten seit kurzem direkt mit vielen gesetzlichen Kassen abrechnen - zu einem durchaus attraktiven und festen Honorar in Euro. Angestoßen hat das vor allem der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte.
Im Juni 2006 meldete der Verein, dem nach eigenen Angaben etwa 4000 der 6000 homöopathisch tätigen Ärzte hierzulande angehören, den Abschluss eines Mustervertrags mit der Deutschen BKK und dem Deutschen Apothekerverband. Inzwischen haben viele Betriebs-, aber auch Innungskrankenkassen den Vertrag im Rahmen der Integrierten Versorgung unterzeichnet. Aktuell sind 85 Kassen mit im Boot.
"Damit haben mehrere Millionen gesetzlich versicherter Patienten Anspruch auf homöopathische Leistungen. Und die Ärzte erhalten dafür eine attraktive Vergütung", sagte Pressesprecher Christoph Trapp vom Zentralverein auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". In der Tat steht die Vergütung im Rahmen des Vertrages hinter der für privatärztlich erbrachte Homöopathie kaum zurück. Außerdem sind die Positionen differenzierter als in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Folgende Leistungen können erbracht und abgerechnet werden:
Homöopathische Erstanamnese vom Beginn des 13. Lebensjahres an: 90 Euro. Diese Leistung muss erbracht werden nach homöopathisch-individuellen Gesichtspunkten mit schriftlicher Aufzeichnung zur Einleitung einer homöopathischen Behandlung (Mindestdauer 60 Minuten). Die Leistung ist - wie in der GOÄ auch - innerhalb eines Jahres maximal einmal erstattungsfähig. Bei Patienten bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr bringt die Erstanamnese 60 Euro. Die Mindestdauer beträgt in diesem Fall 40 Minuten.
Repertorisation: 20 Euro. Das in der klassischen Homöopathie so bezeichnete Auffinden des geeigneten Arzneimittels in den Verzeichnissen ist innerhalb eines Jahres höchstens zweimal erstattungsfähig. Diese Position findet sich in der GOÄ nicht.
Homöopathische Analyse: 20 Euro. Auch diese Leistung ist innerhalb eines Jahres höchstens zweimal erstattungsfähig und existiert in der GOÄ nicht.
Homöopathische Folgeanamnese: Bei einer mindestens 30-minütigen Dauer erhalten Kollegen 45 Euro, bei einer Mindestdauer von 15 Minuten 22,50 Euro und bei mindestens sieben Minuten zehn Euro. In der GOÄ lassen sich Folgeanamnesen nur bei einer Mindestdauer von 30 Minuten abrechnen. Die Folgeanamnesen nach dem IV-Vertrag sind pro Quartal maximal zweimal erstattungsfähig und lassen sich nicht am selben Tag oder mit der Erstanamnese abrechnen.
Ärzte, die sich dem Vertrag anschließen - sie müssen dazu nicht unbedingt Mitglied des Zentralvereins sein -, können aktuell Patienten von 85 gesetzlichen Kassen homöopathisch behandeln. Sie müssen sich dazu beim Zentralverein anmelden und das Qualifikationsprofil erfüllen (siehe "Stete Fortbildung...").
Das erhalten Kollegen für homöopathische Leistungen von Krankenkassen
Deutscher Zentralverein Homöopathischer Ärzte hat bereits Verträge mit 85 Kassen abgeschlossen.
Erstanamnese 90 € (Kinder U12 60 €)
Repertorisation 20 €
Analyse 20 €
Folgeanamnese mind. 30 Min. 45 €
Folgeanamnese mind. 15 Mni. 22,50 €
Beratung mind. 7 Min. 22,50 €
Nähere Informationen auf www.welt-der-homoeopathie.de, dort "Homöopathie für Kasssenpatienten" anklicken
Zentralverein stellt im Internet alles Nötige zur Verfügung
Welche Kassen aktuell dazu gehören, steht im Internet unter der Adresse www.welt-der-homoeopathie.de. Interessenten klicken dort auf die Rubrik "Homöopathie für Kassenpatienten", dann "Downloads für Ärzte" und schließlich auf "Übersicht über die am IV-Vertrag Homöopathie teilnehmenden BKKn und IKKn".
Bevor Patienten dieser Krankenkassen homöopathische Leistungen in Anspruch nehmen können, müssen sie sich bei ihrem Arzt einschreiben. Das läuft nach den Worten des homöopathisch tätigen Allgemeinarztes Dr. Andreas Hauptmann unbürokratisch ab. Auch diese Unterlagen finden sich auf www.welt-der-homoeopathie.de. Die erbrachten Leistungen rechnen Kollegen quartalsweise mit dem Zentralverein ab, der die Vergütung an sie weiterleitet, wenn die Kassen bezahlt haben. Die Abrechnungsbögen gibt es im Web.
Der Zentralverein ist nicht der einzige Akteur, der die Vergütung homöopathischer Leistungen forciert. Mehrere Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) haben mit dem Arbeiter-Ersatzkassenverband einen Strukturvertrag geschlossen.
In fünf KVen ist Homöopathie inzwischen eine Kassenleistung
Ärzte in den KVen Nordrhein, Westfalen-Lippe, Sachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz können den Patienten dreier Kassen, darunter die Gmünder, Homöopathie als Kassenleistung anbieten. Die Vergütung für Repertorisation und homöopathische Analyse liegt bei diesem Vertrag mit 25 und 30 Euro höher. Die Folgeanamnese wird meist mit 45 Euro vergütet. Eine weniger als 30-minütige Folgeanamnese gibt es nicht.
Wer nicht Mitglied dieser KVen ist oder Patienten behandelt, die keiner der 85 Kassen angehören, kann Kassenpatienten Homöopathie als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anbieten - und zwar nach den Ziffern 30 und 31 GOÄ. Diese bringen bei 2,3-fachem Satz 120,66 Euro (Ziffer 30) und 60,33 Euro (Ziffer 31). Anders als bei den Verträgen des Zentralvereins und der KVen müssen Ärzte, die privatärztlich abrechnen, keine Qualifikation nachweisen.
Gibt es wegen der GOÄ-Abrechnung Probleme mit der KV oder einer Kasse, sollten sich Ärzte wehren, empfiehlt GOÄ-Spezialist Dr. Bernhard Kleinken. Homöopathie stehe bislang nicht im EBM und sei mit den erwähnten Ausnahmen deshalb nach GOÄ abzurechnen - auch wenn Kassen oder KVen das anders sehen.
Im Juni 2006 meldete der Verein, dem nach eigenen Angaben etwa 4000 der 6000 homöopathisch tätigen Ärzte hierzulande angehören, den Abschluss eines Mustervertrags mit der Deutschen BKK und dem Deutschen Apothekerverband. Inzwischen haben viele Betriebs-, aber auch Innungskrankenkassen den Vertrag im Rahmen der Integrierten Versorgung unterzeichnet. Aktuell sind 85 Kassen mit im Boot.
"Damit haben mehrere Millionen gesetzlich versicherter Patienten Anspruch auf homöopathische Leistungen. Und die Ärzte erhalten dafür eine attraktive Vergütung", sagte Pressesprecher Christoph Trapp vom Zentralverein auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". In der Tat steht die Vergütung im Rahmen des Vertrages hinter der für privatärztlich erbrachte Homöopathie kaum zurück. Außerdem sind die Positionen differenzierter als in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Folgende Leistungen können erbracht und abgerechnet werden:
Homöopathische Erstanamnese vom Beginn des 13. Lebensjahres an: 90 Euro. Diese Leistung muss erbracht werden nach homöopathisch-individuellen Gesichtspunkten mit schriftlicher Aufzeichnung zur Einleitung einer homöopathischen Behandlung (Mindestdauer 60 Minuten). Die Leistung ist - wie in der GOÄ auch - innerhalb eines Jahres maximal einmal erstattungsfähig. Bei Patienten bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr bringt die Erstanamnese 60 Euro. Die Mindestdauer beträgt in diesem Fall 40 Minuten.
Repertorisation: 20 Euro. Das in der klassischen Homöopathie so bezeichnete Auffinden des geeigneten Arzneimittels in den Verzeichnissen ist innerhalb eines Jahres höchstens zweimal erstattungsfähig. Diese Position findet sich in der GOÄ nicht.
Homöopathische Analyse: 20 Euro. Auch diese Leistung ist innerhalb eines Jahres höchstens zweimal erstattungsfähig und existiert in der GOÄ nicht.
Homöopathische Folgeanamnese: Bei einer mindestens 30-minütigen Dauer erhalten Kollegen 45 Euro, bei einer Mindestdauer von 15 Minuten 22,50 Euro und bei mindestens sieben Minuten zehn Euro. In der GOÄ lassen sich Folgeanamnesen nur bei einer Mindestdauer von 30 Minuten abrechnen. Die Folgeanamnesen nach dem IV-Vertrag sind pro Quartal maximal zweimal erstattungsfähig und lassen sich nicht am selben Tag oder mit der Erstanamnese abrechnen.
Ärzte, die sich dem Vertrag anschließen - sie müssen dazu nicht unbedingt Mitglied des Zentralvereins sein -, können aktuell Patienten von 85 gesetzlichen Kassen homöopathisch behandeln. Sie müssen sich dazu beim Zentralverein anmelden und das Qualifikationsprofil erfüllen (siehe "Stete Fortbildung...").
Das erhalten Kollegen für homöopathische Leistungen von Krankenkassen
Deutscher Zentralverein Homöopathischer Ärzte hat bereits Verträge mit 85 Kassen abgeschlossen.
Erstanamnese 90 € (Kinder U12 60 €)
Repertorisation 20 €
Analyse 20 €
Folgeanamnese mind. 30 Min. 45 €
Folgeanamnese mind. 15 Mni. 22,50 €
Beratung mind. 7 Min. 22,50 €
Nähere Informationen auf www.welt-der-homoeopathie.de, dort "Homöopathie für Kasssenpatienten" anklicken
Zentralverein stellt im Internet alles Nötige zur Verfügung
Welche Kassen aktuell dazu gehören, steht im Internet unter der Adresse www.welt-der-homoeopathie.de. Interessenten klicken dort auf die Rubrik "Homöopathie für Kassenpatienten", dann "Downloads für Ärzte" und schließlich auf "Übersicht über die am IV-Vertrag Homöopathie teilnehmenden BKKn und IKKn".
Bevor Patienten dieser Krankenkassen homöopathische Leistungen in Anspruch nehmen können, müssen sie sich bei ihrem Arzt einschreiben. Das läuft nach den Worten des homöopathisch tätigen Allgemeinarztes Dr. Andreas Hauptmann unbürokratisch ab. Auch diese Unterlagen finden sich auf www.welt-der-homoeopathie.de. Die erbrachten Leistungen rechnen Kollegen quartalsweise mit dem Zentralverein ab, der die Vergütung an sie weiterleitet, wenn die Kassen bezahlt haben. Die Abrechnungsbögen gibt es im Web.
Der Zentralverein ist nicht der einzige Akteur, der die Vergütung homöopathischer Leistungen forciert. Mehrere Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) haben mit dem Arbeiter-Ersatzkassenverband einen Strukturvertrag geschlossen.
In fünf KVen ist Homöopathie inzwischen eine Kassenleistung
Ärzte in den KVen Nordrhein, Westfalen-Lippe, Sachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz können den Patienten dreier Kassen, darunter die Gmünder, Homöopathie als Kassenleistung anbieten. Die Vergütung für Repertorisation und homöopathische Analyse liegt bei diesem Vertrag mit 25 und 30 Euro höher. Die Folgeanamnese wird meist mit 45 Euro vergütet. Eine weniger als 30-minütige Folgeanamnese gibt es nicht.
Wer nicht Mitglied dieser KVen ist oder Patienten behandelt, die keiner der 85 Kassen angehören, kann Kassenpatienten Homöopathie als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) anbieten - und zwar nach den Ziffern 30 und 31 GOÄ. Diese bringen bei 2,3-fachem Satz 120,66 Euro (Ziffer 30) und 60,33 Euro (Ziffer 31). Anders als bei den Verträgen des Zentralvereins und der KVen müssen Ärzte, die privatärztlich abrechnen, keine Qualifikation nachweisen.
Gibt es wegen der GOÄ-Abrechnung Probleme mit der KV oder einer Kasse, sollten sich Ärzte wehren, empfiehlt GOÄ-Spezialist Dr. Bernhard Kleinken. Homöopathie stehe bislang nicht im EBM und sei mit den erwähnten Ausnahmen deshalb nach GOÄ abzurechnen - auch wenn Kassen oder KVen das anders sehen.
Donnerstag, 21. Juni 2007
Gegen Magen-Darm-Krämpfe wirkt Brechnuss
Nux vomica, die Brechnuss, ist ein bewährtes Homöopathikum bei rezidivierenden Darmbeschwerden / Präparat ist ein gutes Einsteigermittel
NEU-ISENBURG (gwa). Montagmorgen: Wieder sitzt die Patientin mit den hartnäckig rezidivierenden Bauchschmerzen im Sprechzimmer. Sie ist gereizt. Am Wochenende hatten sie wieder kolikartige Oberbauchbeschwerden und Darmkrämpfe geplagt. Die Patientin beschwert sich: Alle Untersuchungen - Ultraschall, Gastro- und Koloskopien, Laboruntersuchungen - ergaben keine pathologischen Befunde. Kein Medikament hat gewirkt. Frustriert und verärgert verlangt sie, dass ihr nun endlich geholfen wird.
Wer jetzt Nux vomica in niedriger Potenz wie D12 verordnet, kann bald eine glückliche, weil beschwerdefreie Patientin haben. Eine solche Erfahrung bei einem Patienten machte jedenfalls der Internist Dr. Ulf Riker vom Homöopathischen Ärztehaus München, als er vor Jahren - damals noch ganz zaghaft - mit der Homöopathie anfing. Seit 1989 hat Riker die Zusatzbezeichnung Homöopathie.
Nux vomica, die Brechnuss, ist "ein wunderbares Mittel, wenn Dauerstress, Zeitdruck, Leistungsdruck oder Schlafmangel auf den Magen schlagen, aber noch nicht zu einer Gastritis geführt haben", sagte Riker zur "Ärzte Zeitung". Auch bei spastischer Obstipation ist Nux vomica gut geeignet. Andere geeignete homöopathische Mittel sind Lycopodium (Bärlapp) oder Magnesium.
Was die Dosierung der Potenzen betrifft, bedarf es einiger Erfahrung, sagt Riker. Kollegen, die gerade mit der Homöopathie anfangen oder es damit einmal versuchen wollen, bleiben am besten zunächst bei niedrigen Potenzen bis D12*. Gibt man etwa Nux-vomica-Globuli in dieser Potenz zwei bis drei Tage bis zu zehnmal täglich, hat man das gleiche Ergebnis wie mit einer Hochpotenz*, etwa C 200.
Die Brechnuss ist allerdings kein Allheilmittel bei jeder Form von Magen-Darm-Beschwerden. "Wenn jemand eine Verstopfung hat und sagt, ich hab tagelang Funkstille im Darm, spricht das gegen Nux vomica", so Riker. Bei atonischer Obstipation kommen etwa Alumina , also das homöopathische Aluminium, in Betracht, aber auch Graphites (Grafit), Opium oder Muskatnuss (Nux moschata oder muscata).
Reagiert ein Patient auf Stress mit Durchfällen, die auch krampfartig sein können, ist Argentum nitricum (Silbernitrat) ein gutes Mittel. Ignatia nimmt Riker etwa bei Patienten, die einen schweren Kummer oder Schicksalsschlag hinter sich haben und bei denen sich das Ganze auf den Magen geschlagen hat.
Mancher nutzt Komplexmittel als Einstieg in die Homöopathie
Zur klassischen Homöopathie gehört viel mehr, als nur ein paar Symptome abzufragen, nämlich eine fundierte Ausbildung und Erfahrung, um das jeweils passende Mittel zu finden. Deshalb sammeln Kollegen, die sich überlegen, ob Homöopathie etwas für sie sein könnte, oft erste Erfahrungen mit wenigen Einzelmitteln. Oder sie nutzen Komplexmittel aus passenden Komponenten. Mittel für Magen-Darm-Beschwerden, die auch Nux vomica und Lycopodium enthalten, sind etwa Carbo vegetabilis Pentarkan® H oder Nux vomica-Homaccord®.
*niedrige Potenzen von D1 bis D12 enthalten noch Moleküle der Ausgangssubstanz. Die Wirkdauer beträgt Minuten bis Stunden.
Hochpotenzen wie C 200 enthalten rechnerisch keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr, haben aber einen starken Energiegehalt und wirken Tage bis Wochen.
Quelle: Ulf Riker, Homöopathie - Leitfaden für Ihre erfolgreiche Behandlung (Broschüre für Patienten), Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte, 9 Euro, ISBN 3-939749-00-1.
Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung
NEU-ISENBURG (gwa). Montagmorgen: Wieder sitzt die Patientin mit den hartnäckig rezidivierenden Bauchschmerzen im Sprechzimmer. Sie ist gereizt. Am Wochenende hatten sie wieder kolikartige Oberbauchbeschwerden und Darmkrämpfe geplagt. Die Patientin beschwert sich: Alle Untersuchungen - Ultraschall, Gastro- und Koloskopien, Laboruntersuchungen - ergaben keine pathologischen Befunde. Kein Medikament hat gewirkt. Frustriert und verärgert verlangt sie, dass ihr nun endlich geholfen wird.
Wer jetzt Nux vomica in niedriger Potenz wie D12 verordnet, kann bald eine glückliche, weil beschwerdefreie Patientin haben. Eine solche Erfahrung bei einem Patienten machte jedenfalls der Internist Dr. Ulf Riker vom Homöopathischen Ärztehaus München, als er vor Jahren - damals noch ganz zaghaft - mit der Homöopathie anfing. Seit 1989 hat Riker die Zusatzbezeichnung Homöopathie.
Nux vomica, die Brechnuss, ist "ein wunderbares Mittel, wenn Dauerstress, Zeitdruck, Leistungsdruck oder Schlafmangel auf den Magen schlagen, aber noch nicht zu einer Gastritis geführt haben", sagte Riker zur "Ärzte Zeitung". Auch bei spastischer Obstipation ist Nux vomica gut geeignet. Andere geeignete homöopathische Mittel sind Lycopodium (Bärlapp) oder Magnesium.
Was die Dosierung der Potenzen betrifft, bedarf es einiger Erfahrung, sagt Riker. Kollegen, die gerade mit der Homöopathie anfangen oder es damit einmal versuchen wollen, bleiben am besten zunächst bei niedrigen Potenzen bis D12*. Gibt man etwa Nux-vomica-Globuli in dieser Potenz zwei bis drei Tage bis zu zehnmal täglich, hat man das gleiche Ergebnis wie mit einer Hochpotenz*, etwa C 200.
Die Brechnuss ist allerdings kein Allheilmittel bei jeder Form von Magen-Darm-Beschwerden. "Wenn jemand eine Verstopfung hat und sagt, ich hab tagelang Funkstille im Darm, spricht das gegen Nux vomica", so Riker. Bei atonischer Obstipation kommen etwa Alumina , also das homöopathische Aluminium, in Betracht, aber auch Graphites (Grafit), Opium oder Muskatnuss (Nux moschata oder muscata).
Reagiert ein Patient auf Stress mit Durchfällen, die auch krampfartig sein können, ist Argentum nitricum (Silbernitrat) ein gutes Mittel. Ignatia nimmt Riker etwa bei Patienten, die einen schweren Kummer oder Schicksalsschlag hinter sich haben und bei denen sich das Ganze auf den Magen geschlagen hat.
Mancher nutzt Komplexmittel als Einstieg in die Homöopathie
Zur klassischen Homöopathie gehört viel mehr, als nur ein paar Symptome abzufragen, nämlich eine fundierte Ausbildung und Erfahrung, um das jeweils passende Mittel zu finden. Deshalb sammeln Kollegen, die sich überlegen, ob Homöopathie etwas für sie sein könnte, oft erste Erfahrungen mit wenigen Einzelmitteln. Oder sie nutzen Komplexmittel aus passenden Komponenten. Mittel für Magen-Darm-Beschwerden, die auch Nux vomica und Lycopodium enthalten, sind etwa Carbo vegetabilis Pentarkan® H oder Nux vomica-Homaccord®.
*niedrige Potenzen von D1 bis D12 enthalten noch Moleküle der Ausgangssubstanz. Die Wirkdauer beträgt Minuten bis Stunden.
Hochpotenzen wie C 200 enthalten rechnerisch keine Moleküle der Ausgangssubstanz mehr, haben aber einen starken Energiegehalt und wirken Tage bis Wochen.
Quelle: Ulf Riker, Homöopathie - Leitfaden für Ihre erfolgreiche Behandlung (Broschüre für Patienten), Deutscher Zentralverein homöopathischer Ärzte, 9 Euro, ISBN 3-939749-00-1.
Copyright © 1997-2007 by Ärzte Zeitung
Serie Alternativmedizin: Bachblütentherapie
1 Leonardo – Wissenschaft und mehr
Sendedatum: 5. Juni 2007
Serie Alternativmedizin: Bachblütentherapie
Heather, Hornbeam und Honeysuckle
von Christiane Tovar
Sprecher: England in den 30er Jahren. In der Morgendämmerung streift ein Mann durch nebelverhangene Wälder. Er ist auf der Suche – auf der Suche nach Blüten. Der Mann ist Dr. Edward Bach und die Blüten, die er vorsichtig pflückt, sind nicht irgendwelche:
O-Ton Bach:
„Das wichtige ist, dass es sich auf keinen Fall um Nahrungsmittel handelt und auch nicht um Zuchtpflanzen, sondern es geht genau nur um Pflanzen, die wild wachsen und die nicht weiter verwertbar sind, im Sinne von Nahrungsmitteln zum Beispiel."
Sprecher: Erzählt fast 80 Jahre später die Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, Ulrike von Campenhausen. Vor ihr auf dem Schreibtisch – in einem Raum mit lindgrünem Teppich und viel hellem Holz – steht eine Schachtel mit 38 Fläschchen. Es ist der Bachblütensatz, also ein Standardsortiment von Blütenessenzen. Auf den Etiketten liest man so klangvolle Namen wie Sweet Chesnut, Aspen und Wild Oat. Alle Blüten werden bis heute ausnahmslos in England geerntet, bevor man sie weiter verarbeitet und mit Alkohol konserviert.
O-Ton von Campenhausen:
„Es geht nur um die Blüten weil die Blüte die energetisch reichste Form der Pflanze ist. Es werden eben nur diese Blüten gesammelt und zwar morgens vor 9 Uhr, wenn sie so die ganze Kraft der Nacht, die Extrakte, die die Pflanze aus dem Boden zieht und in die Blüte transportiert, wenn sich das dort energetisch versammelt hat, dann sollen sie gepflückt werden."
Sprecher: Energien spielen auch bei der weiteren Verarbeitung eine wichtige Rolle, erklärt Frau von Campenhausen.
O-Ton von Campenhausen:
„…dass sie eben dann in Quellwasser reingelegt werden und dann 3-4 Stunden in der Sonne stehen. Durch die Sonnenenergie und durch die Energie des Wassers wird so zu sagen die Energie der Pflanze, der Blüte auf das Wasser übertragen und von der Sonne noch mal energetisch potenziert.
Das ist etwas anders, als in der Homöopathie, weil in der Homöopathie findet die Filterung durch Verschütteln statt."
Sprecher: Parallelen gibt es trotzdem. Auch Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, setzte hoch verdünnte Mittel ein. Bevor sich Bach den Blüten zuwandte, arbeitete er im „Royal London Homeopathic Hospital". Auch die Psychoanalyse hatte Einfluss auf sein Konzept. In Anlehnung an C.G. Jung legte Edward Bach bei der Entwicklung seiner Therapie verschiedene Persönlichkeitstypen zugrunde und ordnete jeder der 38 Blüten – rein intuitiv - ein „Einsatzgebiet" zu. So soll zum Beispiel Cherry Plum Verlustangst bekämpfen und Water Violet Überlegenheitsgefühle dämpfen. An dieser Liste orientiert sich auch Ulrike von Campenhausen, wenn sie für einen Patienten die Essenzen auswählt:
O-Ton von Campenhausen:
„Also es gibt unterschiedliche Methoden, die übliche ist die, das man eine Anamnese macht. Man erfragt die Probleme und kann dann auf diesem Wege zu einer Blüte kommen."
Sprecher: Doch es gibt noch einen anderen Weg zur Blüte, sagt die Ärztin:
O-Ton von Campenhausen:
„Bei Kindern wird es häufig so gemacht, dass man Kinder einfach greifen lässt, weil Kinder ja noch wenig oder gar nicht gestört sind, von ihrem Stoffwechsel her. Dann greifen die dahin und greifen sich schon die richtige raus."
Sprecher: Auch auf die Frage, ob diese Art des Selektierens nicht völlig willkürlich sein könne, hat die Naturheilkundlerin eine Antwort:
O-Ton von Campenhausen:
„Nein das ist es nicht, vor allen Dingen Kinder greifen sich nicht irgendeine raus, sie greifen sich schon die raus, die mit ihnen was zu tun hat. Das passiert über das Resonanzprinzip, jeder Stoff hat ja eine Schwingung, ein eigenes elektromagnetisches Feld."
Sprecher: Diese Schwingungen sind es denn auch, mit denen Edward Bach die Wirkungsweise der Blüten erklärte. Dazu schrieb er 1934:
O-Ton Sprecher:
„Bestimmte wild wachsende Blumen, Büsche und Bäume höherer Ordnung haben durch ihre hohen Schwingungen die Kraft, unsere menschlichen Schwingungen zu erhöhen und unsere Kanäle für die Botschaften unseres spirituellen Selbst zu öffnen; unsere Persönlichkeit mit den Tugenden, die wir nötig haben, zu überfluten und dadurch Mängel auszuwaschen, die unsere Leiden verursachen."
Sprecher: Und tatsächlich berichten immer wieder Menschen von der wundersamen Kraft der Blüten – so wie dieser Patient:
O-Ton Patient:
„Ich habe die tolle Wirkung von den Bach-Blüten festgestellt. Ein dreiviertel Jahr wirklich Schmerzen zu haben, dass sie nachts geweint haben. Sie haben etliche Orthopäden gehabt und ich nehme einfach nur diese Tropfen und nach 14 Tagen bin ich schmerzfrei, aber fragen sie mich bitte nicht, warum das so gewirkt haben soll."
Sprecher: Diese Frage geht an Prof. Jürgen Windeler. Er überprüft die Wirksamkeit medizinischer Therapien für die Spitzenverbände der Krankenkassen und kennt Untersuchungen zur Bach-Blütentherapie.
O-Ton Windeler:
„Das Ergebnis war, dass sich Bach-Blüten in keiner Weise von einem Scheinpräparat, von einem Placebo unterscheiden, dass also keine spezifische Wirksamkeit zu erwarten ist."
Sprecher: Zum gleichen Schluss kommt auch Prof. Edzard Ernst, der an der Universität Exeter die Wirksamkeit alternativer Heilmethoden erforscht. Er hat sich anderem mit den besonders populären „Rescue-Tropfen" beschäftigt – also mit ‚Notfall-Tropfen, die in Stress-Situationen helfen sollen. 100 Studenten, die unter Examensstress litten, nahmen bei der Untersuchung Bachblüten-Essenzen ein. Ernst stellte ebenfalls einen Placeboeffekt fest. Mit anderen Worten: Die Rescue-Tropfen hatten ebenso so gut beziehungsweise ebenso schlecht gegen Prüfungsangst geholfen wie ein Scheinmedikament. Bleibt noch die Frage nach den Nebenwirkungen:
O-Ton Ernst:
„Die Gefahren sind sicherlich bei einem Mittel, was keine eigentlichen Bestandteile hat und was dann höchstens aus mehr oder weniger konzentriertem Alkohol besteht, möglicherweise in diesen Mengen Alkohol zu sehen. Das will ich aber wirklich nicht überstrapazieren."
Sprecher: Eine direkte Gefahr geht also nicht von den Bach-Blüten aus, aber: sie helfen auch nicht gezielt gegen bestimmte Krankheiten, sagen Wissenschaftler, die auf Ergebnisse verschiedener Studien vertrauen. Und sie ergänzen: wer sich mit den Blütenessenzen trotzdem besser fühlt, profitiert ausschließlich vom Placeboeffekt.
Sendedatum: 5. Juni 2007
Serie Alternativmedizin: Bachblütentherapie
Heather, Hornbeam und Honeysuckle
von Christiane Tovar
Sprecher: England in den 30er Jahren. In der Morgendämmerung streift ein Mann durch nebelverhangene Wälder. Er ist auf der Suche – auf der Suche nach Blüten. Der Mann ist Dr. Edward Bach und die Blüten, die er vorsichtig pflückt, sind nicht irgendwelche:
O-Ton Bach:
„Das wichtige ist, dass es sich auf keinen Fall um Nahrungsmittel handelt und auch nicht um Zuchtpflanzen, sondern es geht genau nur um Pflanzen, die wild wachsen und die nicht weiter verwertbar sind, im Sinne von Nahrungsmitteln zum Beispiel."
Sprecher: Erzählt fast 80 Jahre später die Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, Ulrike von Campenhausen. Vor ihr auf dem Schreibtisch – in einem Raum mit lindgrünem Teppich und viel hellem Holz – steht eine Schachtel mit 38 Fläschchen. Es ist der Bachblütensatz, also ein Standardsortiment von Blütenessenzen. Auf den Etiketten liest man so klangvolle Namen wie Sweet Chesnut, Aspen und Wild Oat. Alle Blüten werden bis heute ausnahmslos in England geerntet, bevor man sie weiter verarbeitet und mit Alkohol konserviert.
O-Ton von Campenhausen:
„Es geht nur um die Blüten weil die Blüte die energetisch reichste Form der Pflanze ist. Es werden eben nur diese Blüten gesammelt und zwar morgens vor 9 Uhr, wenn sie so die ganze Kraft der Nacht, die Extrakte, die die Pflanze aus dem Boden zieht und in die Blüte transportiert, wenn sich das dort energetisch versammelt hat, dann sollen sie gepflückt werden."
Sprecher: Energien spielen auch bei der weiteren Verarbeitung eine wichtige Rolle, erklärt Frau von Campenhausen.
O-Ton von Campenhausen:
„…dass sie eben dann in Quellwasser reingelegt werden und dann 3-4 Stunden in der Sonne stehen. Durch die Sonnenenergie und durch die Energie des Wassers wird so zu sagen die Energie der Pflanze, der Blüte auf das Wasser übertragen und von der Sonne noch mal energetisch potenziert.
Das ist etwas anders, als in der Homöopathie, weil in der Homöopathie findet die Filterung durch Verschütteln statt."
Sprecher: Parallelen gibt es trotzdem. Auch Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, setzte hoch verdünnte Mittel ein. Bevor sich Bach den Blüten zuwandte, arbeitete er im „Royal London Homeopathic Hospital". Auch die Psychoanalyse hatte Einfluss auf sein Konzept. In Anlehnung an C.G. Jung legte Edward Bach bei der Entwicklung seiner Therapie verschiedene Persönlichkeitstypen zugrunde und ordnete jeder der 38 Blüten – rein intuitiv - ein „Einsatzgebiet" zu. So soll zum Beispiel Cherry Plum Verlustangst bekämpfen und Water Violet Überlegenheitsgefühle dämpfen. An dieser Liste orientiert sich auch Ulrike von Campenhausen, wenn sie für einen Patienten die Essenzen auswählt:
O-Ton von Campenhausen:
„Also es gibt unterschiedliche Methoden, die übliche ist die, das man eine Anamnese macht. Man erfragt die Probleme und kann dann auf diesem Wege zu einer Blüte kommen."
Sprecher: Doch es gibt noch einen anderen Weg zur Blüte, sagt die Ärztin:
O-Ton von Campenhausen:
„Bei Kindern wird es häufig so gemacht, dass man Kinder einfach greifen lässt, weil Kinder ja noch wenig oder gar nicht gestört sind, von ihrem Stoffwechsel her. Dann greifen die dahin und greifen sich schon die richtige raus."
Sprecher: Auch auf die Frage, ob diese Art des Selektierens nicht völlig willkürlich sein könne, hat die Naturheilkundlerin eine Antwort:
O-Ton von Campenhausen:
„Nein das ist es nicht, vor allen Dingen Kinder greifen sich nicht irgendeine raus, sie greifen sich schon die raus, die mit ihnen was zu tun hat. Das passiert über das Resonanzprinzip, jeder Stoff hat ja eine Schwingung, ein eigenes elektromagnetisches Feld."
Sprecher: Diese Schwingungen sind es denn auch, mit denen Edward Bach die Wirkungsweise der Blüten erklärte. Dazu schrieb er 1934:
O-Ton Sprecher:
„Bestimmte wild wachsende Blumen, Büsche und Bäume höherer Ordnung haben durch ihre hohen Schwingungen die Kraft, unsere menschlichen Schwingungen zu erhöhen und unsere Kanäle für die Botschaften unseres spirituellen Selbst zu öffnen; unsere Persönlichkeit mit den Tugenden, die wir nötig haben, zu überfluten und dadurch Mängel auszuwaschen, die unsere Leiden verursachen."
Sprecher: Und tatsächlich berichten immer wieder Menschen von der wundersamen Kraft der Blüten – so wie dieser Patient:
O-Ton Patient:
„Ich habe die tolle Wirkung von den Bach-Blüten festgestellt. Ein dreiviertel Jahr wirklich Schmerzen zu haben, dass sie nachts geweint haben. Sie haben etliche Orthopäden gehabt und ich nehme einfach nur diese Tropfen und nach 14 Tagen bin ich schmerzfrei, aber fragen sie mich bitte nicht, warum das so gewirkt haben soll."
Sprecher: Diese Frage geht an Prof. Jürgen Windeler. Er überprüft die Wirksamkeit medizinischer Therapien für die Spitzenverbände der Krankenkassen und kennt Untersuchungen zur Bach-Blütentherapie.
O-Ton Windeler:
„Das Ergebnis war, dass sich Bach-Blüten in keiner Weise von einem Scheinpräparat, von einem Placebo unterscheiden, dass also keine spezifische Wirksamkeit zu erwarten ist."
Sprecher: Zum gleichen Schluss kommt auch Prof. Edzard Ernst, der an der Universität Exeter die Wirksamkeit alternativer Heilmethoden erforscht. Er hat sich anderem mit den besonders populären „Rescue-Tropfen" beschäftigt – also mit ‚Notfall-Tropfen, die in Stress-Situationen helfen sollen. 100 Studenten, die unter Examensstress litten, nahmen bei der Untersuchung Bachblüten-Essenzen ein. Ernst stellte ebenfalls einen Placeboeffekt fest. Mit anderen Worten: Die Rescue-Tropfen hatten ebenso so gut beziehungsweise ebenso schlecht gegen Prüfungsangst geholfen wie ein Scheinmedikament. Bleibt noch die Frage nach den Nebenwirkungen:
O-Ton Ernst:
„Die Gefahren sind sicherlich bei einem Mittel, was keine eigentlichen Bestandteile hat und was dann höchstens aus mehr oder weniger konzentriertem Alkohol besteht, möglicherweise in diesen Mengen Alkohol zu sehen. Das will ich aber wirklich nicht überstrapazieren."
Sprecher: Eine direkte Gefahr geht also nicht von den Bach-Blüten aus, aber: sie helfen auch nicht gezielt gegen bestimmte Krankheiten, sagen Wissenschaftler, die auf Ergebnisse verschiedener Studien vertrauen. Und sie ergänzen: wer sich mit den Blütenessenzen trotzdem besser fühlt, profitiert ausschließlich vom Placeboeffekt.
Akupunktur
Das Konzept Der Begriff Akupunktur kommt aus dem Lateinischen. Es setzt sich aus den beiden Worten acus (Nadel) und pungere (stechen) zusammen. Die Akupunktur ist Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin. Sie beruht auf der Annahme, dass das so genannte Qi (sprich: "tschie") den menschlichen Körper auf festgelegten Leitbahnen, den Meridianen, durchströmt. Den traditionellen Vorstellungen nach wird das Qi bei der Geburt ererbt und während des Lebens durch Nahrung und Atmung am Leben erhalten. Nadeln im OhrImmer mehr Ärzte und Heilpraktiker arbeiten zudem mit der Ohrakupunktur. Diese Art der Akupunktur gehört nicht zur TCM. Sie beruht auf der Annahme, dass bestimmte Regionen in der Ohrmuschel mit den Organen und Körperteilen in Verbindung stehen. Durch gezielte Nadelstiche könne man diese dann beeinflussen. Anwendungsbereiche Eine Vielzahl von Krankheiten und Störungen wird mit Akupunktur behandelt. Dazu gehören Schmerzen, insbesondere chronische Rückenschmerzen und Kniegelenksarthrose, Stress und Übelkeit - besonders nach Operationen - Asthma, Schlaflosigkeit, Tinnitus, rheumatische Erkrankungen und Abhängigkeiten. So wird zum Beispiel die Ohrakupunktur zur Raucherentwöhnung eingesetzt.Die TherapieIn der TCM werden Krankheiten auf die Störung des Energieflusses zurückgeführt. Durch die Akupunktur soll dieser Fluss wieder reguliert werden. Dazu sticht der Therapeut Nadeln in die Haut. Er orientiert sich dabei an den Meridianen. Risiken und NebenwirkungenHäufig fühlen sich Patienten nach der Akupunktur benommen. Aber auch Blutergüsse und Schmerzen an den Einstichstellen sind möglich. Außerdem können durch unsaubere Nadeln Infektionen (HIV, Hepatitis) übertragen werden. Sehr selten gibt es Todesfälle. Die Wirksamkeit Weder das Qi noch die Meridiane sind mit den Methoden der modernen Naturwissenschaft und Medizin nachweisbar. Was nicht weiter verwundert, denn auch in der TCM sind die Meridiane lediglich ein theoretisches Konstrukt. Sie gehen auf die Verläufe der Wasser- und Landstraßen des chinesischen Reichs zurück, die auf den menschlichen Körper übertragen wurden.Möglicherweise lassen sich die Akupunkturpunkte grundsätzlich damit erklären, dass an diesen Stellen Nerven sind, die durch die Nadelstiche stimuliert werden. Gut untersuchte MethodeZur Akupunktur liegen zahlreiche Studien vor. In Deutschland sind unter anderem große Studien (gerac, ART) von den gesetzlichen Krankenkassen angeregt worden. Untersucht wurde die Wirksamkeit der Nadeln bei chronischem Kopf-, Kreuz-, und Knieschmerz.Die Ergebnisse Es konnte nachgewiesen werden, dass Akupunktur bei allen untersuchten Krankheiten chronische Schmerzen lindert. Akupunktur bei chronischen RückenschmerzenBei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen liegt die Erfolgsrate der traditionellen chinesischen Akupunktur (TCM, "echte" Akupunktur) nicht wesentlich höher als die der Schein-Akupunktur, bei der bewusst "falsche" Punkte gestochen wurden. Beide Akupunkturformen schnitten jedoch deutlich besser ab als Medikamente und andere Therapien, mit denen diese Krankheiten normalerweise behandelt werden.Akupunktur bei KnieschmerzenAuch bei der Behandlung von Schmerzen des Kniegelenkes waren die Schein-Akupunktur und die "echte" Akupunktur in ihrer Wirkung in den meisten Studien annähernd vergleichbar. Beide waren zudem der Standardtherapie ebenfalls deutlich überlegen. Akupunktur bei MigräneFür die Behandlung der Spannungskopfschmerzen und der Migräne wurden zwischen der Behandlung mit beiden Akupunkturformen und der Standardtherapie zur Vorbeugung dieser Beschwerden keine Unterschiede festgestellt. Nadeln gegen ÜbelkeitIn anderen aussagekräftigen Untersuchungen gibt es positive Trends für folgende Krankheiten und Störungen: Bei Schwangerschaftserbrechen, Übelkeit und Zahnschmerzen hat sich die Akupunktur als nützlich erwiesen.Gut gesichert ist auch, dass sich die Übelkeit nach einer Operation an einem Punkt auf der Innenseite des Handelgelenks dämpfen lässt. Der Effekt ist spezifisch. Werden die Nadeln falsch gesetzt, helfen sie nicht mehr. Nadeln helfen nicht gegen SuchtWeder für die traditionelle Akupunktur noch für die Ohrakupunktur ist nachgewiesen, dass sie für die Entwöhnung von Rauchern geeignet sind.
Adressen
Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V., DÄGfAWürmtalstraße 54, 81375 MünchenTel: 089-38888031http://www.daegfa.de
Literatur
Stux, GabrielAkupunktur. Eine Einführung 2003, Springer-Verlag, Berlin19,95 EuroISBN: 3-54000-059-3
Adressen
Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V., DÄGfAWürmtalstraße 54, 81375 MünchenTel: 089-38888031http://www.daegfa.de
Literatur
Stux, GabrielAkupunktur. Eine Einführung 2003, Springer-Verlag, Berlin19,95 EuroISBN: 3-54000-059-3
Mittwoch, 20. Juni 2007
Serie Alternativmedizin: Feldenkrais
Leonardo – Wissenschaft und mehr
Sendedatum: 12. Juni 2007
Serie Alternativmedizin: Feldenkrais
von Regine Hauch
Sprecherin: Ein großer heller Raum, weiße Wände, auf dem Boden Decken und darauf liegend ein halbes Dutzend Frauen und ein Mann. Vor ihnen, auf einem Hocker sitzend - der Lehrer. Peter Schulz leitet das älteste Feldenkrais-Institut in Düsseldorf – und den heutigen Kurs.
O-Ton Schulz:
„Bitte mache eine dir bekannte Blaupause, schau, wie dein Kontakt zum Boden ist, stell dir vor dabei dieses Blaupapier zwischen Körper und Boden. Und versuche dir vorzustellen, wie dieser Abdruck, den dieses Blaupapier, wenn es zum Boden abfärbt, nach dieser aktuellen Situation aussähe."
Sprecherin: Entspannt liegen und sich dabei spüren: So beginnt jeder Feldenkrais-Kurs und innerhalb des Kurses jeder neue Übungsabschnitt. Worum es bei dieser seltsamen Übung und bei allen weiteren geht? Auf keinen Fall um Krankengymnastik. Die Feldenkrais-Methode hat ein anderes Ziel, sagt Peter Schulz:
O-Ton Schulz:
„Über Bewegung sich seines Selbstgebrauches bewusster zu werden und sich in der Regel bessere, weil leichtere Alternativen zu erschließen."
Sprecherin: Die Feldenkrais-Methode wurde von dem aus Weißrussland stammenden Physiker, Neurophysiologen und Judotrainer Moshe Feldenkrais entwickelte. Anfang der 80er Jahre brachte er sie nach Deutschland. Die Feldenkrais-Methode geht davon aus, dass zwischen Bewegung und Wahrnehmung, Denken und Fühlen enge Wechselwirkungen bestehen. Falsches Sitzen – etwa ständiges Hocken vor dem Computerbildschirm – führt also unter Umständen dazu, dass man sich insgesamt schlecht fühlt oder krank wird. Die Feldenkrais-Methode schult darin, den Körper wieder richtig zu nutzen und spricht dabei die Lernfähigkeit unseres Nervensystems an.
O-Ton Schulz:
„Lernen ist immer ein Prozess von Versuch und Irrtum. Bei dieser Bewertung, was ein Erfolg und was ein Misserfolg ist, liegt der entscheidende Unterschied. Und bei Feldenkrais findet diese Bewertung in mir statt und ist ein sinnlicher Vorgang. Und ich mache meinen ersten Versuch. Merke, dass fühlt sich nicht so gut an, wird der wahrscheinlich nicht gemeint haben, versuche es etwas anderes, merke: das geht besser, so geht’s leichter."
Sprecherin: Die Bewegungen sind von außen betrachtet meist kaum wahrnehmbar. Man muss schon mitmachen, um zu erfahren, um was es geht. Also: ab auf die Decke. Auf den Rücken legen, die Füße aufstellen, mitmachen.
O-Ton Schulz:
„Variier etwas den Druck deiner Füße. Drück bitte mit der rechten Ferse oder der rechten Fußspitze."
Sprecherin: Und schon spürt die Anfängerin, wie sich Muskeln an völlig anderen Körperstellen mitbewegen - zum Beispiel im Bauch. Obwohl es nicht so aussieht, sind die Feldenkrais-Übungen auch ein bisschen anstrengend. Der Lohn der Mühe: Man wird beweglicher und entdeckt seinen Körper. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Migräne, Gelenkbeschwerden und Verspannungen können sich dadurch bessern. Auch bei Brustkrebs und Multipler Sklerose soll die Feldenkrais-Methode positive Effekte haben. Die Patienten werden natürlich nicht geheilt, aber sie fühlen sich - trotz Krankheit -vergleichsweise gut, heißt es. Allerdings gibt es bisher kaum seriöse wissenschaftliche Studien, die dies beweisen, so Edzard Ernst, Professor für komplementäre Medizin an der University of Exeter in England. Er hat vor kurzem sechs Studien durchforstet. Sein Befund: Alle Untersuchungen kamen zu positiven Ergebnissen, aber keine einzige war methodisch wirklich gut. Ernst meint daher, dass es interessant wäre, die Feldenkrais-Methode wissenschaftlich exakter zu untersuchen. Ob wissenschaftlich geprüft oder nicht, ist den Kursteilnehmern bei Peter Schulz allerdings gar nicht so wichtig. Für sie zählt die persönliche Erfahrung mit Feldenkrais:
O-Ton Mehl:
„Ich habe Rückenprobleme und mag aber nicht mehr so Sachen machen, wo man sich aktiv bewegen muss. Ich hab das lieber für den Rücken, dass man das ruhiger macht, bewusster wird, und das kann man gut machen bei Feldenkrais.
O-Ton Remmert:
„Ich habe kaputte Knie. Deshalb bin ich hier. Und der Orthopäde sagte, ja, ist kein Problem, wenn es gar nicht mehr geht, spritzen wir was rein und wenn’s dann nicht geht, machen wir neue Knie rein und da hat mir meine Tochter gesagt, geh doch mal. Hab ich gemacht. Hat 20 Jahre funktioniert ohne Operation und ohne Spritze."
Sprecherin: Trotz solcher Erfolge: Es geht nicht darum, bestimmte Leiden zu kurieren.
O-Ton Schulz:
„Wenn das trotzdem passiert, dann weil jemand lernt, anders mit sich umzugehen, damit sich leichter zu gebrauchen und nicht mehr die Symptome zu produzieren, wie er es bislang getan hat. Also, es ist eine Sache von wirklicher Verantwortung für sich und sein Tun zu übernehmen und dies über den eigentlich banalen Ansatz von Motorik."
Sprecherin: Ohne die Mitarbeit des Patienten geht es also nicht. Außerdem braucht man Geduld. Die meisten Feldenkraisjünger machen die Übungen über viele Jahre hinweg – und zwar gerne. Feldenkrais macht süchtig, sagt eine der Kursteilnehmerinnen und meint damit: es tut ihr einfach gut.
Sendedatum: 12. Juni 2007
Serie Alternativmedizin: Feldenkrais
von Regine Hauch
Sprecherin: Ein großer heller Raum, weiße Wände, auf dem Boden Decken und darauf liegend ein halbes Dutzend Frauen und ein Mann. Vor ihnen, auf einem Hocker sitzend - der Lehrer. Peter Schulz leitet das älteste Feldenkrais-Institut in Düsseldorf – und den heutigen Kurs.
O-Ton Schulz:
„Bitte mache eine dir bekannte Blaupause, schau, wie dein Kontakt zum Boden ist, stell dir vor dabei dieses Blaupapier zwischen Körper und Boden. Und versuche dir vorzustellen, wie dieser Abdruck, den dieses Blaupapier, wenn es zum Boden abfärbt, nach dieser aktuellen Situation aussähe."
Sprecherin: Entspannt liegen und sich dabei spüren: So beginnt jeder Feldenkrais-Kurs und innerhalb des Kurses jeder neue Übungsabschnitt. Worum es bei dieser seltsamen Übung und bei allen weiteren geht? Auf keinen Fall um Krankengymnastik. Die Feldenkrais-Methode hat ein anderes Ziel, sagt Peter Schulz:
O-Ton Schulz:
„Über Bewegung sich seines Selbstgebrauches bewusster zu werden und sich in der Regel bessere, weil leichtere Alternativen zu erschließen."
Sprecherin: Die Feldenkrais-Methode wurde von dem aus Weißrussland stammenden Physiker, Neurophysiologen und Judotrainer Moshe Feldenkrais entwickelte. Anfang der 80er Jahre brachte er sie nach Deutschland. Die Feldenkrais-Methode geht davon aus, dass zwischen Bewegung und Wahrnehmung, Denken und Fühlen enge Wechselwirkungen bestehen. Falsches Sitzen – etwa ständiges Hocken vor dem Computerbildschirm – führt also unter Umständen dazu, dass man sich insgesamt schlecht fühlt oder krank wird. Die Feldenkrais-Methode schult darin, den Körper wieder richtig zu nutzen und spricht dabei die Lernfähigkeit unseres Nervensystems an.
O-Ton Schulz:
„Lernen ist immer ein Prozess von Versuch und Irrtum. Bei dieser Bewertung, was ein Erfolg und was ein Misserfolg ist, liegt der entscheidende Unterschied. Und bei Feldenkrais findet diese Bewertung in mir statt und ist ein sinnlicher Vorgang. Und ich mache meinen ersten Versuch. Merke, dass fühlt sich nicht so gut an, wird der wahrscheinlich nicht gemeint haben, versuche es etwas anderes, merke: das geht besser, so geht’s leichter."
Sprecherin: Die Bewegungen sind von außen betrachtet meist kaum wahrnehmbar. Man muss schon mitmachen, um zu erfahren, um was es geht. Also: ab auf die Decke. Auf den Rücken legen, die Füße aufstellen, mitmachen.
O-Ton Schulz:
„Variier etwas den Druck deiner Füße. Drück bitte mit der rechten Ferse oder der rechten Fußspitze."
Sprecherin: Und schon spürt die Anfängerin, wie sich Muskeln an völlig anderen Körperstellen mitbewegen - zum Beispiel im Bauch. Obwohl es nicht so aussieht, sind die Feldenkrais-Übungen auch ein bisschen anstrengend. Der Lohn der Mühe: Man wird beweglicher und entdeckt seinen Körper. Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Migräne, Gelenkbeschwerden und Verspannungen können sich dadurch bessern. Auch bei Brustkrebs und Multipler Sklerose soll die Feldenkrais-Methode positive Effekte haben. Die Patienten werden natürlich nicht geheilt, aber sie fühlen sich - trotz Krankheit -vergleichsweise gut, heißt es. Allerdings gibt es bisher kaum seriöse wissenschaftliche Studien, die dies beweisen, so Edzard Ernst, Professor für komplementäre Medizin an der University of Exeter in England. Er hat vor kurzem sechs Studien durchforstet. Sein Befund: Alle Untersuchungen kamen zu positiven Ergebnissen, aber keine einzige war methodisch wirklich gut. Ernst meint daher, dass es interessant wäre, die Feldenkrais-Methode wissenschaftlich exakter zu untersuchen. Ob wissenschaftlich geprüft oder nicht, ist den Kursteilnehmern bei Peter Schulz allerdings gar nicht so wichtig. Für sie zählt die persönliche Erfahrung mit Feldenkrais:
O-Ton Mehl:
„Ich habe Rückenprobleme und mag aber nicht mehr so Sachen machen, wo man sich aktiv bewegen muss. Ich hab das lieber für den Rücken, dass man das ruhiger macht, bewusster wird, und das kann man gut machen bei Feldenkrais.
O-Ton Remmert:
„Ich habe kaputte Knie. Deshalb bin ich hier. Und der Orthopäde sagte, ja, ist kein Problem, wenn es gar nicht mehr geht, spritzen wir was rein und wenn’s dann nicht geht, machen wir neue Knie rein und da hat mir meine Tochter gesagt, geh doch mal. Hab ich gemacht. Hat 20 Jahre funktioniert ohne Operation und ohne Spritze."
Sprecherin: Trotz solcher Erfolge: Es geht nicht darum, bestimmte Leiden zu kurieren.
O-Ton Schulz:
„Wenn das trotzdem passiert, dann weil jemand lernt, anders mit sich umzugehen, damit sich leichter zu gebrauchen und nicht mehr die Symptome zu produzieren, wie er es bislang getan hat. Also, es ist eine Sache von wirklicher Verantwortung für sich und sein Tun zu übernehmen und dies über den eigentlich banalen Ansatz von Motorik."
Sprecherin: Ohne die Mitarbeit des Patienten geht es also nicht. Außerdem braucht man Geduld. Die meisten Feldenkraisjünger machen die Übungen über viele Jahre hinweg – und zwar gerne. Feldenkrais macht süchtig, sagt eine der Kursteilnehmerinnen und meint damit: es tut ihr einfach gut.
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